Stift


Stift

Stift, ursprünglich ein Capital oder Grundstück, dessen Zinsen zu milden Zwecken, wie zu Armenhäusern, Hospitälern etc., vermacht worden sind, dann besonders ein Vermächtniß zu kirchlichen Zwecken und die Begründung von geistlichen Collegien, deren Mitglieder, ohne an ein Klosterleben in vollster Strenge gebunden zu sein, die 3 Hauptgelübde (Keuschheit, persönliche Armuth und Gehorsam gegen die Oberen) ablegen mußten. Auf den Stiftsgütern und Kirchen ruheten zum Theil große Rechte, und die weltliche Gerichtsbarkeit, welche letztere sich bei den bischöflichen und erzbischöflichen Cathedralen nach und nach über Länder ausdehnte, woraus die Erz- und Hochstifte entstanden, während die Collegiatkirchen, denen kein Bischof vorstand, Collegiatstifte hießen. Die Verwaltung der Hochstifte lag dem Bischof und dem Capitel (der Körperschaft der Domherren und Canonici), die der Collegiatstifte dem Capitel und dem Dompropst ob. Auch in den protestantischen Ländern gibt es noch S'e und Domcapitel, jedoch ohne Landeshoheit und mehr dem allgemeinen Nutzen angepaßt. – Außer den männlichen S'n gab es auch noch weibliche S. und zwar geistlicher und weltlicher Art. Erstere bildeten eine klosterähnliche Vereinigung regulirter Chorfrauen; bei den letzteren legten die Canonissinnen oder Chorfrauen nur das Gelübde der Keuschheit ab; auch durften sie heirathen, wenn sie auf ihre Pfründe verzichteten. Die schwarzen Nonnen einiger Klöster am Rhein sollen im 9. Jahrh. die ersten gewesen sein, welche sich der strengen Regel Benedict's entzogen, und die freie Lebensart der Chorherren an den Cathedralen nachahmten, und im 12. Jahrhunderte entstanden eine Menge solcher weiblicher regulirter Corporationen, welche die den Chorfrauen 1139 gegebene Regel annahmen. Die Pfründen dieser S'e suchte der stiftsfähige Adel (der Adel, welcher 16 Ahnen zählte) ausschließlich für seine Töchter zu erlangen; doch war dabei sehr oft noch die Erlegung einer Einkaufssumme nöthig. Die Canonissinnen solcher S'e werden jetzt meist Stiftsdamen und Stiftsfrauen genannt. Bis zur Periode der Secularisationen gab es in Deutschland eine große Anzahl nicht nur katholischer, sondern auch evangelischer Damenstifte dieser Art, die zum Theil fürstliche Rechte und Besitzungen hatten. In einigen derselben erhalten jetzt junge Fräulein Erziehung und Unterricht, wie z. B. im freiadeligen, evangelischen Magdalenenstift in Altenburg. Das katholische Josephinenstift in Dresden beschäftigt sich mit der Erziehung von Mädchen aus allen Ständen.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • ştift — ŞTIFT, ştifturi, s.n. Cui mic (de lemn), fără cap, folosit în cizmărie pentru a fixa talpa încălţămintei. ♦ Tijă metalică cilindrică sau conică, folosită la îmbinarea a două piese de metal; spin1. – Din germ. Stift. Trimis de LauraGellner,… …   Dicționar Român

  • Stift — ¹Stift 1. Holzstift, Metallstift, Nagel. 2. Bleistift, Buntstift, Farbstift, Griffel, Schreibstift, Zeichenstift. 3. Lehrjunge, Lehrling; (ugs.): Azubi; (südd., österr., schweiz.): Lehrbub; (Amtsspr.): Auszubildender. ²Stift a) Konvikt, Seminar; …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • štift — štȉft m <N mn štìftovi> DEFINICIJA reg. 1. čavao bez glavice, metalna osovina koja se pribija u drvo, metal i sl. 2. a. zast. pisaljka, olovka b. uložak za penkalu, nalivpero i sl. 3. rumenilo za mazanje usnica; ruž, karmin, lipnštift 4.… …   Hrvatski jezični portal

  • Stift [1] — Stift (das Stift, Mehrzahl: die Stifter), mit Vermächtnissen und Rechten ausgestattete, zu kirchlichen Zwecken bestimmte und einer geistlichen Korporation angehörige Anstalt, mit allen dazugehörigen Personen, Gebäuden und Liegenschaften. Die… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Stift — [Network (Rating 5600 9600)] Bsp.: • Schreiben Sie bitte mit einem Stift …   Deutsch Wörterbuch

  • Stift [1] — Stift, der (Mehrzahl die Stifte), 1) ein kleiner, dünner, bisweilen spitziger Körper, welcher theils zur Verbindung zweier Gegenstände dient, so z.B. die Holzstifte, die S e in Charnieren etc.; theils aber werden sie zu verschiedenen Zwecken in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Stift [2] — Stift, das (Mehrzahl die Stifter), 1) eigentlich Gestift, ein Capital od. Grundstück, dessen Zinsen od. Renten von dem Geber zu einem bestimmten, bes. zu einem öffentlichen Gebrauch, zu Hospitälern, Armenhäusern u. dgl. vermacht od. geschenkt… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Stift [2] — Stift, in Dänemark, Schweden und Norwegen Bezeichnung für die Sprengel der (evangelischen) Bischöfe; s. die betreffenden Artikel …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Stift — (das, Mehrzahl Stifter), jede mit Vermögen und juristischer Persönlichkeit ausgestattete, zu geistlichen oder andern frommen Zwecken bestimmte selbständige Anstalt oder Korporation mit allen dazu gehörigen Personen und Besitzungen; daher schon… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Stift — Stift, eigentlich Gestift, im weitesten Sinne jede wohlthätige Anstalt (Stiftung), die durch Geschenk od. Vermächtniß (Geld, Gebäude, Güter) unterhalten wird; im engern Sinne jede Anstalt zu kirchlichen Zwecken, also namentlich ein Kloster; im… …   Herders Conversations-Lexikon